Wiener Würstl

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Wer Wurst sagt muss auch Kren sagen

Wien ohne Würstel? Ist unvorstellbar. Was den Wienern zum Stadtbild gehört, fällt jedem Besucher sofort auf: Einen Würstelstand gibt es hier fast an jeder Ecke. Und das ist gut so. Denn die Standln sind seit Jahren eine Wiener Institution. Hier trifft sich Tag und Nacht, jung mit alt, betrunken mit nüchtern, hungrig mit durstig, abgebrannt mit gut betucht. Und für eine Wurstlänge gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen den Gästen.

Der Standler

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Wie lange das hier schon so geht? Seit der k. u. k. Monarchie. Da sollten die Würstelbuden den Kriegsinvaliden ein Einkommen sichern. Damals mussten die Stände aber noch mobil sein – erst seit den 1960er Jahren gibt es feste Standplätze und Genehmigungen. Heute sind die Verkäufer zwar keine Invaliden mehr, sie genießen aber trotzdem den Ruf, einem außergewöhnlichen Menschenschlag anzugehören. Von grantig bis geschwätzig gibt es sie in unterschiedlicher, aber meist urwienerischer Ausprägung. Irgendwie scheinen sie den Taxifahrern verwandt zu sein. Ein echter „Würstler‟ redet mit seiner Kundschaft und hält die Raunzerei und das unpolitische Politisieren in Gang. Die Lieblingsthemen? Fußball, Tagesgeschehen, Wiener Klatsch und Tratsch, auch Frauen- und Männergeschichten, werden gerne heiß serviert, von Unbekannten genossen und mit Kommentaren garniert.

Der Bestellvorgang

Aber bevor es gemütlich wird, werden Sie normalerweise – nach Auswahl einer Wurst – mit essentiellen Standardfragen bombardiert. Und das kann unter Umständen einem Crash-Kurs in österreichischem Dialekt gleichkommen: „Siass oder schoaf?‟, „G’schnitt’n oder im Ganz’n‟, „Gurkerl dazua?‟, „Brot oder Semmerl?‟, „Woll’n S’ a Scherzerl?‟, „Woll’n S’ an Kren?‟. Soweit so gut? Nein? Frage eins bezieht sich auf die Senfwahl – manchmal wird der süße Senf auch als „G’schissener‟ bezeichnet. Es folgt die Gewissensfrage, ob die Wurst in mundgerechten Häppchen gereicht werden sollte, oder lieber ungeschnitten. Von hier an kommen sie wahrscheinlich allein zurecht. Es sei denn, das Gurkerl wird als „Krokodüü‟ (Krokodil) angepriesen. Und ja, das Scherzerl – ab und an auch „Bugl‟ (Buckel) genannt – ist der Brotanschnitt, Kren bedeutet Meerrettich. Geschafft.
„Trinken a wos?‟ Das ist nicht ganz so schwer. Dosenbier (irgend „a Hüs’n‟ oder ein als „16er–Blech‟ bekanntes Ottakringer, im 16. Bezirk gebraut) in 0,5 l Ausgabe, ein kleines Flaschenbier, Softdrinks aus Dose und Flasche – das klappt auch ohne Sprachkurs, oder? Und so lustig sich die wienerischen Ausdrücke anhören, so selten werden sie von Einheimischen benutzt. Kurzum: Du solltest lieber keine „Eitrige mit Bugl, G’schissenem und an 16-er-Blech‟ bestellen. Denn schlecht imitiert fühlt sich der Wiener schnell auf den Schlips getreten – der Touristen-Deppen-Status wäre Dir damit gesichert.

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Die Speisekarte

Die Wurst, das wird Dir schnell klar werden, die gibt es nicht. Vielmehr gibt es eine Auswahl an unterschiedlichen Spezialitäten, an die 20 Sorten Würste gibt es wohl in Wien – natürlich führt jede Bude nur eine Auswahl davon. Ein Klassiker ist die Frankfurter (andernorts als Wiener Würstchen bekannt) – 1805 wurde sie in Wien erfunden, von einem Frankfurter Metzger. Drin ist Brät vom Schweine- und Rindfleisch. Der berühmteste Würstel-Fan war wohl Kaiser Franz Joseph, der täglich ein Paar Frankfurter als Gabelfrühstück verzehrte. Um Euch die Wahl zu erleichtern, hier ein paar Wurst-Facts:

Burenwurst: Die „Haaße‟, oder das Burenhäut’l (anderswo auch Klobasse) ist ein Eckpfeiler der Wurstkultur. Besteht aus Speck, Brät und Salzstoß und wird originalerweise gesotten (weder gebraten, noch gekocht).
Käsekrainer: Bestehen aus grobem Schweinebrät und werden mit einem Käseanteil von 10-25% zur beliebten Käsekrainer. Auch bekannt als „Eitrige‟, aus der der Käse beim Schneiden herausrinnt, gekocht, gegrillt oder gebraten zu verzehren.
Waldviertler: Geräucherte Wurst, bestehend aus Brät und festem Fleisch, in einer dunklen Wursthaut. Wird meist gekocht angeboten und ist recht würzig.
Debreziner: Geräucherte Wurst aus grobem Schweinebrät, pikant weil mit Paprika gewürzt und an der knallorangen Farbe zu erkennen.
Bratwurst: Wenn sie gut ist, dann ist sie eine der besten. Normalerweise handelt es sich um eine schlanke, helle Wurst aus grobem Brät, die aber braun und kross gebraten wird.
Oft angeboten werden auch Sacherwürstel (die längere Version der Frankfurter), Grillwurst, Teufelsgriller, Currywurst – einige davon als Einspänner (einzelne Wurst) oder Paar erhältlich. Wichtig sind auch noch die „Extrawürste‟, wie Bosna und Leberkäs. Das Bosna ähnelt einem Hot-Dog – besteht aus einer Bratwurst im Weißbrot, die mit einer Zwiebel-Senfmischung bestrichen wurde. Obendrauf kommt noch Curry oder Cayennepfeffer und Petersilie. Der Leberkäs besteht nicht aus Leber, sondern aus Brät, wird als Laib oder „Ziegel‟ gebacken und dann in Scheiben geschnitten. Sodann kommt er in die Semmel, oder wird zum Brot gegessen. Es gibt Varianten wie Käsleberkäs, pikanten Leberkäs, Pfefferonileberkäs und natürlich Pferdeleberkäs. Der ist urwienerisch, aber nicht aus Lippizanern hergestellt.

Die Beilagen

Let’s have fun! Therefore we let you jump in at the deep end when it comes to the side dishes. Small onions (Perlzwiebel) or rolled-up herring (Teufelsroller), peperoncini, chili pepper or gherkin … all sour, all pickled. You can’t go wrong here, can you? Usually everything goes fine. But there is a certain point where the vinegar-bath of a gherkin has already lasted too long. This is when the gruffness of the sausage stand can even hit a local heroine quite hard. The author ordered a sausage and a pickled gherkin. Sausage fantastic, gherkin inedible. As she informed the vendor of this fact, his simple answer was: „Did I told you to order it?‟ Well … no … but this is another speciality of the sausage business: Not the guest, but the vendor is always right! If you want to enjoy this feeling while leading a sausage stand yourself for some minutes (plus choosing your prominent austrian guests like Falco or Emperor Franz Joseph) you should try this little game: www.wuerstelstand.net

Die Besten

gay in vienna Würstelstand Albertina Bitzinger

Bei den Beilagen lassen wir Euch ins kalte Wasser springen. Perlzwieberl oder Teufelsroller, Pfefferoni oder Chili, Salzgurken oder Essiggurken? Alles sauer und eigelegt … da kann man nicht so viel verkehrt machen, oder doch? Meistens geht alles gut. Manchmal kann aber ein Gurkerl zu lange im Essig geschwommen sein und die Ruppigkeit des Würstelstands auch eine Lokalmatadorin mit voller Härte treffen. Die Autorin bestellte eine Salzgurke zur Wurst, und musste sie direkt ausspucken, so grauslich war die. Auf die Anmerkung, dass die Gurke keinesfalls essbar wäre, folgte eine plausible Antwort: „Hätten’s jo kane bestellen brauchen.‟ Auch das eine Spezialität der Würstelszene: Nicht der Gast, sondern der Würstler ist der König. Wer demnach selbst eine Wurstbude leiten möchte (und seine illustre Kundenschar an Austropromis selbst auswählen möchte), dem sei dieses kleine online Spiel ans Herz gelegt: www.wuerstelstand.net