Die österreichische Identität

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Egal wie man es dreht und wendet, welche und wie viele Gäste man befragt — man kommt immer zum gleichen Ergebnis: Was ein Land erst richtig einzigartig macht, sind die Menschen, die dort leben. Denn was wäre ein Urlaubsland ohne Gastgeber? Was wäre eine Wanderung in den Tiroler Alpen, ohne das „Griaß enk” der Einheimischen zu hören? Und was wäre eine spektakuläre Aufführung in der Staatsoper, wenn man dieses Glücksgefühl nicht mit anderen Menschen teilen könnte?

Hoch lebe der österreichische Kompromiss!

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Lederhosen Boy

Wenn man von und über die Österreicher spricht, dann ist von einer besonderen Mentalität die Rede. Damit sind zunächst weniger die sichtbaren Ausprägungen wie Skifahren oder Walzertanzen gemeint. Sondern eine Geisteshaltung, die historisch gewachsen ist. An der Donaumonarchie kommt man wieder nicht herum. Das imperiale Österreich war ein großer Vielvölkerstaat. Unter der Habsburgerkrone waren unter anderen Deutsche, Tschechen, Ungarn, Slowaken und Bosnier vereint. Heute ist Österreich der wohl kleinste Vielvölkerstaat der Welt. Die Gene aus jener Zeit sind bestens erhalten geblieben. Die Menschen entwickeln in dieser multikulturellen Vielfalt eine besondere Fähigkeit. Nämlich jene, Kompromisse zu schließen, um anschließend mit ihnen, den Kompromissen, ganz hervorragend zu leben. Anderswo gab es Revolutionen. In Österreich hieß der Kompromiss „aufgeklärter Absolutismus”, also von beiden Seiten ein bisschen etwas. Anderswo spezialisierte man sich auf Kriegsführung. Österreich bestach durch den Kompromiss einer eindrucksvollen Heiratspolitik.

Der genetische Code des Österreichers

Dieser „genetische Code des Österreichers” ist im Alltag heute noch recht deutlich sichtbar —
an den unverkennbaren Eigenschaften der Österreicher:

Die Lockerheit, mit der an schwierige Aufgaben herangegangen wird, und zwar mit einem
„Schauen wir einmal”. Oder: „Das wird sich schon irgendwie lösen.”

Die zuvorkommende Lebensart der Menschen, ohne aber devot zu sein. Man sagt „Küss die Hand”, tut aber natürlich nur so. Ein Zitat eines Kaffeehaus-Obers bringt es auf den Punkt: „Der Gast ist bei uns König”, sagt er, „aber der Chef bin ich.”

Die Ironie der Österreicher, die auch und vor allem ihnen selbst gilt. Legendär dazu ist das Zitat eines österreichischen Fußball-Nationaltrainers: „Wir haben heute unsere Stärken trainiert. Deshalb waren wir schon nach 15 Minuten fertig.”

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Lederhosen Bär

Das Gefühl des Lebenlassens, zu dem auch der kleine Schwindel gehört. Aber auch nur, um anderen eine Freude zu bereiten. „Gnädige Frau, sie schauen heute wieder entzückend aus.”
Die Frau mag gar nicht gnädig sein und entzückend ausschauen, aber für die sie geht die Sonne auf.

Die lustvolle Unterhaltung, denn auch im heiteren Erzählen und Anreden liegt der Charme des Österreichers. „Der Österreicher hat durch Jahrhunderte gelernt, mit Fremden umzugehen und ihnen ein weites Herz zu öffnen”, sagt der Kulturwissenschaftler Roland Girtler. Die Schweizer Autorin Gabrielle Alioth schreibt über ihren ersten Besuch: „Österreich war eine Fremde, in der man sich zu Hause fühlen konnte.”

Die Gelassenheit, wenn wirklich einmal etwas schiefläuft: „Es hätt‘ ja schlimmer kommen können.” Ja, die Härten des Lebens werden hierzulande gerne relativiert, die angenehmen Seiten hingegen ausgekostet. Daraus ergibt ein Lebensstil, der für die Besucher so interessant ist. Der Kabarettist Hugo Wiener hat einmal so schön gesagt: „Das Leben ist eine Tragödie — zusammengestellt aus vielen Komödien.” Man beschäftigt sich hier lieber mit den Komödien.

Unsere Mentalität, eine Melange

Die österreichische Mentalität — sie ist am ehesten eine Melange aus charmanter Höflichkeit,
Schmeichelei und Heimtücke, aus alter Disziplin und dem lockeren Gefühl des Lebenlassens. Die verschiedenen kulturellen Einflüsse und Stile, die vor 100 Jahren im Vielvölkerstaat vereint waren, sind noch deutlich spürbar: die deutsche Ordnung und Gründlichkeit, die slawische Seele, die ungarische, böhmische und italienische Lebensart.
Ja, was wäre nur Österreich ohne die Österreicher? Ein ganz normales Urlaubsland.